CityScienceLab

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Verfahren

Land, Ort
Deutschland, Hamburg

Innovationsbereich
NGO

Sprache
Deutsch

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Inhaltsverzeichnis

Kurzbeschreibung


Unter dem Namen "CityScienceLab" entstand im Jahr 2005 eine Kooperation zwischen der HafenCity Universität Hamburg (HCU) und dem Media-Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT).1 Mit dem CityScienceLab sind laut der HCU zwei große Ziele verknüpft, die Erforschung der Wechselwirkung von Stadt und Digitalisierung und die Modellierung und Visualisierung urbaner Zukunftsszenarien. Es macht sich zur Leitlinie, Daten als öffentliches Gut zu betrachten und trans- sowie interdisziplinär zu arbeiten. Weiterhin organisiert es den Austausch zwischen Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft, um die vielfältigen Herausforderungen für die Stadt zu diskutieren.

Dossiers.pngDass die mit CityScienceLab verbundenen Projekte, Forschungen und Innovationen tatsächlich reale Probleme und Hürden lösen, wurde im Juni 2017 durch das URBACT Label „Good Practice City“ honoriert. Im Auftrag der Stadt Hamburg hat das CityScienceLab eine interaktive Flächensuche für Flüchtlingsunterkünfte entwickelt und in die Praxis umgesetzt. Im Rahmen des Projekts „Finding Places“2 wurden in Workshops zusammen mit Bürgern freie Flächen für die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften gesucht. Als Grundlage diente ein interaktives Stadtmodell, in dem über 250.000 Flächen grundstücksgenau verzeichnet waren. So sollten Möglichkeiten geschaffen werden, bis zu 20.000 Geflüchtete unterzubringen. Berichtet wird, dass sich fast 400 Bürger an der Suche beteiligt haben und insgesamt 161 Flächen vorgeschlagen wurden, die der Stadt Hamburg zur Prüfung vorgelegt wurden.3

Einordnung


Dieses Beispiel ist den Aufgaben „Ordnen und Bewerten von Wissen“ sowie „Generierung von Wissen und Entscheidungsfindung“ zuzuordnen. Den stärksten Bezug hat es zum Dossier 3, da – wie das Projekt „Finding Places“ zeigt – konkrete reale Probleme gelöst werden sollen bzw. eine Entscheidungsgrundlage geschaffen wird.4

4Punkte.pngDie Interaktion zwischen Anbieter und Nutzer ist als eine vollständige Interaktion zu beschreiben, da Bürger sich freiwillig direkt an Projekten beteiligen können. Das CityScienceLab ist weiterhin aktiv, auf der Webseite der HCU kann man sich über die aktuellen Themen und Projekte informieren. Der Prozess ist deshalb als entwickelnd zu bezeichnen.

Die Komplexität der einzelnen, sehr unterschiedlichen Projekte im Science Lab variiert. Insgesamt steht aber bei den meisten Projekten nicht die technologische Herausforderung im Vordergrund, sondern es geht um die Koordination vieler unterschiedlicher Beteiligter mit teils recht divergierenden Interessen. Deshalb stufen wir die Komplexität als hoch ein. Die Durchdringungstiefe der Wissensschöpfung ist als prozessual zu klassifizieren, da letztendlich die verschiedenen „Objekte“, die mit dem Labor verknüpft sind (Workshops, Diskussionsrunden, wissenschaftliche Arbeiten) dafür sorgen, dass alle Ebenen der Wissensschöpfungskette abgedeckt werden.

Kritische Betrachtung


Das Projekt ist aus verschiedenen Gründen sehr positiv zu beurteilen. So gelang es bereits, ein sehr sensibles Thema wie die Unterbringung von Geflüchteten gemeinsam mit den Bürgern konstruktiv zu bearbeiten. Solche Projekte fördern einerseits die Akzeptanz in der Bevölkerung, da sie Bürgern die Chance geben, selbst an der Lösung von Problemen mitzuwirken. Dadurch können Vorwürfe wie etwa „die Politik entscheidet alles über unseren Kopf hinweg“ entkräftet werden. Andererseits wird schlichtweg ein praktisches Problem gelöst. Schließlich lernen alle Beteiligten, mit Daten umzugehen, digitale Technologien nutzbringend einzusetzen und einander zuzuhören.

Ähnliche Beispiele


Smarter Together ist ein mit EU-Mitteln gefördertes Smart-Cities-Projekt, durch das die Städte München, Lyon und Wien mit zusammen 24,7 Millionen Euro gefördert werden. Ähnlich dem CityScienceLab ist das Projekt sehr breit angelegt und beinhaltet viele Teilprojekte. Der Fokus von Smart Together liegt auf smarter Mobilität, Energie und Technologie. Durch "Ko-Gestaltung" sind die Bürger eingeladen, sich an der Lösung verschiedener Fragestellung zu beteiligen. In Stadtteillaboren werden regelmäßig Workshops angeboten, in denen Lösungsansätze diskutiert werden und gleichzeitig "Meinungen, Interessen, Wissen und Erfahrungen" ausgetauscht werden können.5

Auch die Stadt Köln bietet unter „SmartCity Cologne“ eine Plattform für verschiedene Projekte, um gemeinsam (Privatpersonen, Unternehme, Verbände und Initiativen) „intelligente Ideen und zukunftsweisende Technologien zu entwickeln, Köln noch ein bisschen lebenswerter machen“.6

Mögliche Anwendungsfälle


Kommunen stehen vor der Herausforderung, einerseits die neuen Aufgaben infolge der digitalen Transformation zu bewältigen und andererseits mithilfe der Digitalisierung Arbeitsprozesse zu erleichtern. Vor allem geht es aber darum, das Leben für die Bürger lebenswerter zu machen. Die Bürger an den richtigen Stellen in die konkrete Erarbeitung von Lösungsansätzen einzubinden, kann Vertrauen schaffen und zu sehr hoher Resonanz und praktikablen Lösungen führen wie „Finding Places“ zeigt. Das Beispiel ist bereits eine Anwendung technologiegestützter Verfahren in der kommunalen Selbstverwaltung.

Quellen


  1. ^ Freie und Hansestadt Hamburg Senatskanzlei, 2. 6. 2015: HafenCity Universität Hamburg kooperiert mit Massachusetts Institute of Technology (MIT). Zugriff: http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/4505220/2015-06-02-pr-hafencity-universitaet/ [abgerufen am 28. 8. 2017].
  2. ^ FindingPlaces, 28. 8. 2017: Das Projekt FindingPlaces. Zugriff: https://www.findingplaces.hamburg/
  3. ^ Freie und Hansestadt Hamburg Senatskanzlei, 4. 5. 2015: Hamburger Stadtdialog „FindingPlaces“ am 11. Mai. Zugriff: http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/5982422/2016-05-04-pr-finding-places-stadtdialog/ [abgerufen am 28. 8. 2017].
  4. ^ NDR.de Nachrichten, 16. 9. 2016: Flüchtlingsheime: Sechs neue Standorte gefunden. Zugriff: http://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Fluechtlingsheime-Sechs-neue-Standorte-gefunden,fluechtlinge6450.html [abgerufen am 28. 8. 2017].
  5. ^ Landeshauptstadt München Stadtverwaltung, Referat für Arbeit und Wirtschaft, Europa, 28. 8. 2017: Smarter Together. Zugriff: https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Referat-fuer-Arbeit-und-Wirtschaft/Europa/Smart-Cities.html.
  6. ^ SmartCity Cologne, 28. 8. 2017: Projekte für eine moderne Stadt. Zugriff: http://www.smartcity-cologne.de/.

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