Offenes Ideenlabor Postbank

Last modified by TobiasSteinherr on 2018/02/08 13:44

Land, Ort
Deutschland

Innovationsbereich
Unternehmen 

Sprache
Deutsch/Englisch

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Inhaltsverzeichnis

Kurzbeschreibung


Mit dem Verfahren des Crowdsourcing wird die Auslagerung traditionell interner Teilaufgaben an eine Gruppe freiwilliger Nutzer bezeichnet. Mehrere Anbieter haben hierfür speziell Plattformen für die Kommunikation und Kollaboration mit externen Partnern entwickelt. Eine derartige Plattform schafft einen Raum für die Wissensbereitstellung, -sammlung und -weitergabe, in der gezielt die Nutzergruppe angesprochen wird.1

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Die Postbank stellt mit einer eben solchen Mitmach-Plattform einen Raum zur Verfügung, in dem neue Ideen entwickelt und Produkte und Service der Postbank mitgestaltet werden können.2 Das hier angewandte Crowdsourcing-Verfahren kann zudem mit der Erschließung eines Prognosemarktes verknüpft werden. Prognosemärkte können unter anderem verwendet werden, um das Potenzial neuer Produktideen zu schätzen. Vor diesem Hintergrund wird die kundenbasierte Erfassung neuer Produkt- und Serviceideen für die Gewinnung eines Prognosemarktes genutzt.3

Das Ideenlabor ist eine Kollaboration zwischen der Postbank und dem Plattform-Anbieter innosabi mit dem Ziel, den Austausch zwischen Endnutzern und Dienstleistern so effizient wie nur möglich zu gestalten und gezielt Innovationen daraus hervor zu bringen. So lässt die Postbank beispielsweise ihre neue App und zukünftige Produkte von den Teilnehmern des Ideenlabors testen.

Die Teilnahme am Ideenlabor steht jedem nach einer erfolgreichen Registrierung offen. Auf der Startseite werden aktuelle Projekte aufgelistet. Ein zugehöriger Link führt direkt zu den Projekten, an denen die Teilnehmer sich z. B. über Brainstorming oder Umfragen beteiligen können.

Einordnung


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Durch diese Besprechung von Wissen durch Tester und Designer lässt sich das Ideenlabor der Postbank in das Dossier „Ordnung, Bewertung und Diskussion von Wissen“ einordnen. Jedoch muss berücksichtigt werden, dass das Ideenlabor zudem auf einer Wissenssammlung basiert, und Wissen für die Postbank generiert, weshalb das Verfahren zusätzlich in Dossier 1 und Dossier 3 einzuordnen ist. Die Interaktion zwischen Nutzer und Anbieter kann insbesondere auf Grund des Austauschs von Produkt- oder Anwendungsideen von Seiten der Postbank und der Nutzerrückmeldung als vollständig bezeichnet werden.

Da die Postbank ständig neue Produkte und Anwendungen zum Vorab-Testen für die Nutzer bereitstellt, handelt es sich bei dem Ideenlabor um einen sich entwickelnden Prozess. Im Anbetracht der aufzuwendenden Ressourcen handelt es sich beim Postbank Ideenlabor um ein Projekt im mittleren Komplexitätsbereich. Am aufwändigsten ist das Errichten und der Erhalt der Plattform, da ständig neue Produkte hochgeladen und das Feedback ausgewertet und angewandt werden muss. Aufgrund der ständigen Vernetzung in allen Bereichen trägt der komplette Prozess des Postbank Ideenlabors zur Wissensgewinnung und -bewertung bei.

Kritische Betrachtung


Eine Umsetzung ohne externe Experten ist kaum denkbar. Dazu scheint die Anwendung zu komplex. Dazu muss berücksichtigt werden, dass die Teilnahme an der Plattform eine Registrierung erfordert und somit an die Postbank persönliche Daten übermittelt werden. Diese unterliegen den aktuell geltenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen, doch diese Hürde könnte manche Nutzer abschrecken.

Zudem ist ein gewisser Selektionsmechanismus vorhanden. Es ist davon auszugehen, dass die Teilnehmer nicht die gesamte Breite der Postbankkunden abdecken und somit manche Kundenwünsche nicht berücksichtigt bzw. andere zu stark in den Vordergrund gerückt werden. Die generierten Informationen sind deshalb möglicherweise verzerrt. Eine Studie von Google und der Wharton University, Pennsylvania, weist auf weitere mögliche Verzerrungen der Ergebnisse hin.

Ähnliche Beispiele


Ein vergleichbares Beispiel ist das Best Practice Sharing der IABG. Eine Vernetzung der IABG Mitarbeiter des Bereichs Defense & Security führt zur Diskussion und Gewinnung innovativer Ideen und zum Austausch von Kundenbedürfnissen.4

Mit der Plattform Tchibo ideas nutzt Tchibo Deutschland Crowdsourcing und Social Media zur Entwicklung neuer Produkte. Die Nutzer können dort mit gegenseitiger Unterstützung Lösungen entwickeln. Für das wöchentlich wechselnde Produktsortiment nutzt das Unternehmen die kollektive Intelligenz seiner Mitarbeiter, um in kurzer Zeit die erfolgversprechendsten Produkte zu ermitteln.5

Zeppelin Rental, ein Vermieter von Baumaschinen, Verkehrssicherung u. a., integriert eine Crowdsourcing-Plattform in sein Intranet, um mit Mitarbeitern an über 100 Standorten zu kommunizieren und zu interagieren. Dabei werden über die Plattform Fragen zu Strategie, Vertrieb, Kunden, Preisen und Wettbewerbern an die Mitarbeiter gestellt. Das System belohnt dabei die besten Antworten.6

Mögliche Anwendungsfälle


Das Verfahren des Crowdsourcing bietet neue Perspektiven für die kommunale Selbstverwaltung, indem einst Expertenkreisen vorbehaltene Aufgaben für neue Zielgruppen geöffnet werden können. Das entspricht zugleich dem von Nutzern und Bürgern häufig geäußerten Wunsch, Planungsinhalte tatsächlich mitzugestalten. So ließe sich das Konzept des offenen Ideenlabors der Postbank auch als Zukunftslabor zur Orts- bzw. Regionalentwicklung einsetzen. Das Verfahren des Crowdsourcing bietet dabei klare Abläufe und Regeln. Die entwickelten Ideen werden von der Entwicklungs-Community bewertet. In der Übertragbarkeit auf die Kommune besteht die Chance, in dem Entwicklungs- und Bewertungsprozess gezielt verschiedene Perspektiven einzubeziehen: die Nutzer, die Bereitsteller und Betreiber, die Entscheider und die Finanzierer.

Quellen


  1. ^ Innosabi, 24. 8. 2017: CROWDSOURCED INNOVATION CASE STUDY Haribo. Zugriff: https://innosabi.com/akademie/innovation-case-studies/haribo-fan-edition-crowdsourcing-case-study/
  2. ^ Deutsche Postbank AG, 24. 8. 2017: Postbank Ideenlabor Die Mitmach-Plattform der Postbank. Zugriff: https://ideenlabor.postbank.de/
  3. ^ Cowgill, Bo; Wolfers, Justin; Zitzewitz, Eric, 1. 2009: Using Prediction Markets to Track Information Flows: Evidence from Google. Zugriff: http://www.columbia.edu/~bc2656/GooglePredictionMarketPaper.pdf [abgerufen am 24. 8. 2017].
  4. ^ Innosabi, 24. 8. 2017: Crowdsourced Innovation Case Study IABG. Zugriff: https://innosabi.com/akademie/innovation-case-studies/iabg-crowdsourced-innovation-case-study/
  5. ^ Tchibo, 24. 8. 2017: Willkommen in der Tchibo-Community. Zugriff: https://community.tchibo.de/de-DE/start
  6. ^ CrowdWorx, 24. 8. 2017: Fallstudien. Zugriff: https://www.crowdworx.com/de/downloads/fallstudien/

Bildquelle: https://ideenlabor.postbank.de/ [Screenshot der Startseite der Webpräsenz des Ideenlabors der Postbank, abgerufen am 29.05.2017]

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