MatchMyCity

Last modified by TobiasSteinherr on 2018/02/08 13:44

Verfahren
Crowdsourcing

Land, Ort
Deutschland, Weimar

Innovationsbereich
NGO

Sprache
Deutsch

Bild.pngInhaltsverzeichnis

Kurzbeschreibung


Dossiers.pngDie Webseite https://matchmycity.org/ tritt als "Dating Plattform für Städte" auf und kommt ohne große Schnörkel daher. Kurz und knapp werden die Funktionsweise, die Idee und die Ziele der Webseite vorgestellt. Anhand von 35 Fragen kann ein Besucher der Webseite herausfinden, welche von 30 Großstädten Deutschlands für ihn am besten als Heimatstadt geeignet ist. Der verwendete Matching-Algorithmus wird auf der Webseite kurz erläutert und basiert auf einem Punktesystem. Pro abgefragten Merkmal erhält jene Stadt am meisten Punkte, welche das Merkmal am stärksten erfüllt. Gewichtet wird bei jeder Frage mit der Wichtigkeit, die der Nutzer ausgewählt hat (eine Skala mit den Ausprägungen "unwichtig", "etwas wichtig", "wichtig" und "sehr wichtig"). Die Fragen sind größtenteils allgemein gehalten, gehen aber auch vereinzelt sehr ins Detail (z. B. gibt es Fragen nach der Wichtigkeit, ob linksorientierte bzw. rechtsorientierte Parteien Sitze im Stadtrat haben).1

Die beiden Entwickler formulieren als ein Ziel der Webseite die Sensibilisierung der Bürger (wobei sich die Zielgruppe hier in erster Linie auf junge Menschen fokussieren dürfte) auf unterschiedliche Merkmale von Städten. Gleichzeitig dient das Gamification-Projekt als Datengrundlage zur Erforschung urbaner Lebensstile. Ob mithilfe der Seite schon eine brauchbare Datengrundlage geschaffen werden konnte, wird nicht kommuniziert. Auch finden sich keine Hinweise, dass die erhaltenen Daten bereits analysiert wurden.

Einordnung


4Punkte.pngDie Seite stellt einerseits Informationen und Wissen zur Verfügung und will andererseits neue Daten sammeln. Dem Besucher werden im Gegenzug zu seinen Angaben Informationen inklusive einer Kurzcharakterisierung der 30 betrachteten Großstädte bereitgestellt. Das Beispiel wird deshalb dem Dossier 1 zugeordnet. In Anlehnung an die Bezeichnung der großen Online-Datingportale will die Webseite den perfekten "Match" zwischen Nutzer und Stadt finden, allerdings werden wohl nur die wenigsten Nutzer das Ergebnis als Umzugsgrund ansehen. Vielmehr ist denkbar, dass zukünftig eine Analyse der gesammelten Daten Entscheidungen in der Stadtplanung anstoßen kann, weshalb – sofern die Daten tatsächlich relevante Informationen beinhalten – ein Bezug zum Dossier 3 herstellbar ist.

Die technische Komplexität ist als gering einzustufen. Die Webseite ist recht schlicht aufgebaut und auch der verwendete Matching-Algorithmus basiert auf einem einfachen Punkteprinzip. Der Fall beinhaltet eine einfache Interaktion zwischen Nutzer und Seite. Auf Basis seiner Angaben wird ihm ein Ergebnis – die Stadt, die am besten zu ihm passt – zurückgegeben.

Die Wissensschöpfung erfolgt, wenn genügend Personen an der Umfrage teilgenommen haben. Da die Webseite trotzdem weiterhin aktiv ist, wird die Dauer als entwickelnd eingestuft.

Kritische Betrachtung


Die beiden Entwickler erheben nicht den Anspruch, dem Benutzer eine Entscheidungsgrundlage für den nächsten Umzug bereitzustellen. Vielmehr dient das versprochene Matching als Anreiz, um die Nutzer zur Teilnahme zu bewegen und letztendlich zu verschleiern, dass es sich um eine Umfrage mit dem Ziel, Daten zu sammeln, handelt. Leider machen die Entwickler keine Angaben, wie erfolgreich die Datensammlung bisher war. Sofern genug Nutzer an der Umfrage teilgenommen haben, bieten die Daten aber neuartige Einblicke und können für verschiedene Fragestellungen als Forschungsgrundlage dienen.

Absolut kritisch anzumerken ist, dass es beim Aufrufen der Seite (zumindest zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes) ein Problem mit dem Sicherheitszertifikat gibt. Es erscheint ein Warnhinweis, dass der Besuch der Seite nicht sicher ist, verbunden mit dem Rat, die Seite sofort wieder zu schließen, was sicherlich einige potenzielle Teilnehmer der Umfrage vom Besuch der Seite abhält.

Ähnliche Beispiele


MatchMyCity kommuniziert klar, dass die Idee auf den Matching-Algorithmen von Online-Dating-Portalen aufbaut. Als bekannter Vertreter ist in Deutschland Parship2 zu nennen. Auf diesem Portal werden auf Basis von Multiple-Choice-Fragen Matching-Punkte zwischen zwei Partnersuchenden ermittelt. Entwickelt wurde dieser Algorithmus vom Mitgründer, dem Professor für Psychologie Hugo Schmale.3

Auch der Wahl-O-Mat ist in diesem Kontext zu nennen. Dieser kann im Vorfeld einer Bundes- und Landtagswahl verwendet werden, um herauszufinden, welche Partei die eigenen politischen Ansichten am ehesten repräsentiert. Die Fragen bzw. das darauf basierende Matching orientieren sich an den Parteiprogrammen der teilnehmenden Parteien. Laut Angabe der Betreiber wurde der Wahl-O-Mat vor der Bundestagswahl in 2013 über 13 Millionen Mal aufgerufen.4

Zur letztjährigen Fußball-Bundesliagasaison hat die Webseite der ZEIT den Club-O-Mat vorgestellt, mit dem Fußballfans herausfinden können, welcher Verein am besten zu ihnen passt. Derartige Beispiele, die (fast) ausschließlich der Unterhaltung dienen, gibt es unzählige. Im Internet kann man Stunden damit verbringen, sowohl ernst gemeinte als auch rein unterhaltende („Welches Einhorn bist du?“) Matching- und Persönlichkeitstests durchzuführen.5

Anwendungsfälle


Daten darüber, wie Städte von einheimischen und auswärtigen Bürgern wahrgenommen werden, lassen sich typischerweise durch Umfragen erheben. Die Seite matchmycity.org zeigt auf, wie durch ein einfach zu implementierendes Angebot eine alternative Möglichkeit geschaffen werden kann, Menschen zum Teilen von solchen Informationen zu bewegen.

Quellen


  1. ^ Matchmycity.org, 24. 8. 2017: MatchMyCity. Zugriff: https://matchmycity.org/
  2. ^ Parship, 24. 8. 2017: Parship. Zugriff: https://www.parship.de/
  3. ^ Hasel, Verena Friederike, 1. 3. 2015: Ausgerechnet die Liebe. Zugriff: http://www.zeit.de/2015/07/algorithmus-online-dating-liebesformel-hugo-schmale [abgerufen am 24. 8. 2017].
  4. ^ bpb Bundeszentrale für politische Bildung, 24. 8. 2017: Der Wahl-O-Mat im Jahr 2017. Zugriff: http://www.bpb.de/politik/wahlen/wahl-o-mat/
  5. ^ Spiller, Christian; Stahnke, Julian, 26. 8. 2016: Welcher Verein sind Sie? Zugriff: http://www.zeit.de/sport/club-o-mat-fussball-verein-bundesliga [abgerufen am 24. 8. 2017].

Bildquelle: https://unsplash.com/

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