Kriterien auf Ebene der Organisation

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Inhaltsverzeichnis

Organisatorische Einbindung und rechtliche Absicherung


Datenbasiertes Entscheiden führt zu tiefgreifenden Veränderungen in der Organisation. Aktuelle Entscheidungsstrukturen werden in Frage gestellt und bisherige Entscheidungsregeln entpuppen sich als Mythen. Wissen entsteht aus der Verknüpfung von Daten, die heute noch in Silos vorliegen, also in IT-Systemen, die vorrangig darauf ausgelegt sind, bestehende Prozesse zu unterstützen. Analytics schafft Wert, aber darf das Tagesgeschäft nicht stören. Stakeholder müssen darum überzeugt werden, ihre Daten zu teilen, damit mehr Wert für alle Beteiligten entstehen kann. „This persuasion task is probably more difficult than any technological issues that might come up” (Goldsmith/Crawford 20141: 85).

Datensicherheit und Datenschutz


Städte und Kommunen müssen genau klären, welche rechtlichen Rahmenbedingungen sie beachten müssen und welcher Aufwand sie erwartet, um sicherzustellen, dass diese eingehalten werden. Gewisse Formen der Wissensorganisation und Entscheidungsfindung sind mit der aktuellen Rechtslage in Deutschland gegebenenfalls nicht zu vereinbaren, weil manche Datenquellen eben qua Gesetz nicht miteinander verknüpft werden dürfen.

Haftung


Haftungsfälle können etwa dann auftreten, wenn Akteure aus der öffentlichen Verwaltung aufgrund mangelhafter Datenqualität Fehlentscheidungen treffen. Wer haftet in solchen Fällen? Das spielt nicht nur bei selbstfahrenden Autos eine Rolle, die Umweltdaten nicht richtig verarbeiten und dann in Unfälle verwickelt werden, sondern auch bei Fehlprognosen in der Planung: Daten und Datenanalyse entbinden eben niemanden von der Verantwortung für seine Entscheidungen auf der Basis dieser Daten.

Schulungsbedarf


Nicht nur deshalb bedarf es einer kontinuierlichen Schulung der Beteiligten. Das bedeutet Aufwand, etwa wenn Kompetenzen vermittelt werden müssen, die neuen Technologien und Verfahren für die Datenbereitstellung, Datenabfrage, Datenanalyse und Ergebnisinterpretation sowie Ableitung von Handlungsempfehlungen und Entscheidungen zu nutzen.

Kooperation, Umstrukturierung, Kooperation


Hier schließen sich Fragen zu Kooperations- und Umstrukturierungsbedarf und zum Koordinationsbedarf an. Welche neuen Bedarfe entstehen an die Kooperation verschiedener kommunaler Einrichtungen untereinander und mit verwaltungsfremden Akteuren, etwa im Zuge von Open-Governance-Bestrebungen und übergreifenden Informationsportalen? Wie können die verschiedenen Akteure voneinander lernen? Wie lassen sich Geschäftsprozesse in der Verwaltung anpassen? Welche Vereinbarungen müssen getroffen werden? Und welchen Aufwand bedeutet es für Projektmanagement und interne sowie externe Projektkommunikation, die Akzeptanz der neuen Formen wie auch der mit ihrer Hilfe getroffenen Entscheidungen sicherzustellen – insbesondere, wenn Ergebnisse der datenbasierten Entscheidungsfindung der bisherigen Praxis widersprechen? Damit solche Fragestellungen identifiziert und mithilfe von Daten beantwortet werden können, braucht es nicht nur leistungsfähige Technologien und kompetente Mitarbeiter, sondern auch geeignete Organisationsmodelle.

  1. ^ Goldsmith, S.; Crawford, S., 2014: The Responsive City: engaging communities through data-smart governance. San Francisco.
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