Verfahren und Technologien

Last modified by TobiasSteinherr on 2018/02/08 13:41

Inhaltsverzeichnis

Digitale Verfahren und Technologien lassen sich in den seltensten Fällen einer Stufe der Wissensschöpfung zuordnen, d. h. zwischen der Klassifikation nach dem Analytics-Ziel (dem „Wozu“) und der Klassifikation nach dem Verfahren bzw. der Technologie (dem „Wie“ bzw. „Was“) besteht ein Unterschied. Dennoch soll die folgende Liste die Verfahren grob entlang der Wissensschöpfung-Kette ordnen.

Beschrieben sind im Weiteren solche Verfahren, die in der vorliegenden Studie hinsichtlich ihrer Eignung, „Neues Wissen für die Stadt“ zu ermöglichen, näher betrachtet wurden. Aufgrund der Geschwindigkeit technologischer Neuentwicklungen muss diese Liste zwangsläufig unvollständig bleiben.

Wiki


Ein Wiki ist ein Hypertextsystem für Webseiten, deren Inhalte von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch online direkt im Webbrowser geändert werden können (Web-2.0-Anwendung): Ziel ist, Wissen gemeinschaftlich zu sammeln (kollektive Intelligenz) und in für die Zielgruppe verständlicher Form zu dokumentieren. Ein Wiki dient also der Bereitstellung crowdgenerierter Daten.

Blog


Ein Blog, eine Verkürzung von „weblog“, ist ein auf einer Website geführtes Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert oder Gedanken niederschreibt, diese also „postet“. Die Blog-Einträge sind häufig verschlagwortet und damit durchsuchbar; Leser des Blogs können meist durch Kommentare unmittelbar Rückmeldung geben.

Forum


Ein Forum ist ein virtueller Platz zum Austausch und zur Archivierung von Gedanken, Meinungen und Erfahrungen. Die Kommunikation in Foren ist asynchron, das heißt ein Beitrag wird nicht unmittelbar und sofort, sondern zeitversetzt beantwortet. Während die Kommunikation im Blog durch die Hierarchie zwischen Blogger (Autor, Sender) und Leser (Kommentator, Empfänger) gekennzeichnet ist, liegt eine solche Hierarchie im Forum dem Grunde nach nicht vor. Einzelne Nutzer besitzen jedoch meist Administrator-Rechte, agieren also als Moderatoren.

Portal


Der Ausdruck Portal (Beispiele: Transparenzportal, Bewertungsportal) bezeichnet ein Anwendungssystem, das sich durch die Integration von Anwendungen, Prozessen und Diensten auszeichnet. Ein Portal stellt seinem Benutzer verschiedene Funktionen zur Verfügung, wie beispielsweise Personalisierung, Navigation und Benutzerverwaltung. Außerdem koordiniert es die Suche und die Präsentation von Informationen und soll die Sicherheit gewährleisten. In Portalen sind häufig Wikis, Foren, Blogs etc. integriert, um den Nutzern vielfältige Möglichkeiten der Interaktion bereitzustellen.

Content Management System


Ein Content Management System (CMS) ist eine Software zur gemeinschaftlichen Erstellung, Bearbeitung und Organisation von Inhalten (Content) zumeist in Webseiten, aber auch in anderen Medienformen. Ein CMS beinhaltet, anders als ein Portal, nicht unbedingt Möglichkeiten der Individualisierung für jeden einzelnen Nutzer, sondern kann auch rein unidirektional angelegt sein. Mit Hilfe sogenannter Add-Ins können in moderne CMS-Lösungen indes auch multidirektionale Elemente wie Wikis, Foren, Blogs, Online-Befragungen etc. modular integriert werden.

Ratsinformations­system


Ein Ratsinformationssystem ist ein auf die Abbildung demokratischer Strukturen spezialisiertes EDV-gestütztes Informations- und Dokumentenmanagementsystem in Gemeinden bis hin zu Stadtstaaten. Ein Ratsinformationssystem ist damit eine spezielle Form eines Content-Management-Systems, allerdings meist ohne oder nur mit minimalen Möglichkeiten der Nutzerinteraktion. Ratsinformationssysteme entstehen häufig im Zuge von Open-Government-Bestrebungen. Open Government ist ein Synonym für die Öffnung von Regierung und Verwaltung gegenüber der Bevölkerung und der Wirtschaft. Dies soll zu mehr Transparenz, zu mehr Teilhabe, zu einer intensiveren Zusammenarbeit, zu mehr Innovation und insgesamt zu einer Stärkung gemeinschaftlicher Belange beitragen.

Nachrichtendienst


Ein Nachrichtendienst oder Instant-Messaging-Dienst ist eine Kommunikationsmethode, bei der sich zwei oder mehr Teilnehmer per Text-, Bild-, Sprach- oder Videonachrichten unterhalten. Dabei löst der Absender die Übermittlung aus (sogenanntes Push-Verfahren), so dass die Nachrichten möglichst unmittelbar beim Empfänger ankommen. Ein Nachrichtendienst kann auch zum (individualisierten) Push-Versand von Nachrichten an eine größere Zahl von Empfängern verwendet werden, als sogenanntes Broadcasting.

App


Mit dem Begriff App (auch Anwendungssoftware, kurz Anwendung oder Applikation; englisch application software, kurz App) werden Computerprogramme bezeichnet, die genutzt werden, um eine nützliche oder gewünschte nicht systemtechnische Funktionalität zu bearbeiten oder zu unterstützen. Sie dienen der „Lösung von Benutzerproblemen“. Ein Benutzerproblem kann beispielsweise ein Informationsbedürfnis sein, der Wunsch nach Unterhaltung oder Kommunikation u. v. a. m. Viele Apps, die zunächst unidirektional zur Übermittlung (individualisierter) Information konzipiert waren, wie z. B. eine Fahrplanauskunft, werden zunehmend von den Betreibern als bidirektionales Medium erkannt, da bei jeder Benutzung Daten vom Nutzer gesammelt und zur Wissensgewinnung verwendet werden können.

Social Media


Social Media (Soziale Medien) bezeichnet digitale Medien und Technologien, die es Nutzern ermöglichen, sich untereinander auszutauschen und mediale Inhalte einzeln oder in Gemeinschaft zu erstellen. Der Begriff „Social Media“ wird aber auch für die Beschreibung einer neuen Erwartungshaltung an die Kommunikation genutzt und zur Abgrenzung von dem Begriff Soziale Medien im Singular verwendet, da es sich um mehr handelt als um einzelne Medienkanäle. Eine weitere Auslegung des Begriffs bezieht sich auf „Social Media“ als neue Datenquelle. So existieren einerseits für viele soziale Medien schon Technologien zum Auslesen dieser Datenquellen (sogenannte Application Programming Interfaces, „APIs“ oder Programmierschnittstellen), andererseits werden jüngst Regeln zur Zitierweise aus Social Media diskutiert (Hoffmann 7. 3. 2014). Unter dem Begriff „Dark Social“ wird das Teilen von Inhalten über private Kanäle wie beispielsweise Instant Messaging Dienste verstanden; der Zugang zu solchen Kanälen über APIs ist in der Regel nicht möglich (z. B. bei WhatsApp) oder sehr stark reglementiert (z. B. bei Snapchat).

Bots


Bots sind Computerprogramme, die gemeinhin automatisch sich wiederholende Aufgaben abarbeiten, ohne dabei auf eine Interaktion mit einem menschlichen Benutzer angewiesen zu sein. So können Bots weitgehend selbststätig das Internet durchforsten und die Inhalte von Webseiten auswerten, beispielsweise für eine Suchmaschine oder zur Sammlung von Inhalten für eine Datenbank.

Social Bots


Social Bots produzieren automatisch Inhalte in Social Media, indem sie auf bestimmte Schlagworte reagieren, z. B. auf sogenannte Hashtags in Twitter. Neueste Entwicklungen, die Chatbots, interagieren direkt mit dem Nutzer, etwa über Instant Messaging Dienste. Obwohl der erste Social Bot ELIZA (ein Computerprogramm, das u. a. einen Psychotherapeuten simuliert) bereits 1966 programmiert wurde, etablierten sich Social Bots erst mit der massiven Zunahme der Nutzung von Social Media. Insbesondere rückten sie im Zusammenhang mit den jüngsten Wahlkämpfen (Brexit, US-Wahlkampf 2016) ins Blickfeld der öffentlichen Aufmerksamkeit. Mit der rapide wachsenden Leistungsfähigkeit von Spracherkennungs-Technologien ist es immer schwerer ersichtlich, ob es sich bei einem Social-Media-Nutzer um einen echten Menschen handelt oder um einen Bot.

Crowdsourcing


Crowdsourcing bezeichnet die Auslagerung traditionell interner Teilaufgaben an eine Gruppe freiwilliger User. Zugleich wird Crowdsourcing als Sammelbegriff für verschiedene Formen von Software benutzt, die zur Durchführung von Crowdsourcing benutzt werden. Darunter fällt Software für Foren, aber auch komplexe Innovationsplattformen oder Software, die crowdgenerierte Daten mit Geodaten kombiniert und auf Karten visualisiert (Crowdmapping). Crowdsourcing wird häufig für Beteiligungs- und Innovationsprozesse genutzt. Manchmal wird auch der Begriff „Wisdom of Crowds“ benutzt.

Gamification


Als Gamification oder Serious Gaming bezeichnet man die Anwendung spieltypischer Elemente und Prozesse in spielfremdem Kontext. Dazu gehören unter anderem Erfahrungspunkte, Highscores, Fortschrittsbalken, Ranglisten, virtuelle Güter oder Auszeichnungen. Durch die Integration dieser spielerischen Elemente soll im Wesentlichen eine Motivationssteigerung der Personen erreicht werden, die ansonsten wenig herausfordernde, als zu monoton empfundene oder zu komplexe Aufgaben erfüllen müssen. Gamification kann uni- oder bidirektional eingesetzt werden, um z. B. in Kombination mit Crowdsourcing einen Zugang zu bislang schwer erreichbaren Zielgruppen zu erlangen.

Prognosemarkt


Prognosemärkte sind virtuelle Marktplattformen, die den Ausgang von Ereignissen vorhersagen. Prognosemärkte existieren in Form von Online-Wettbörsen oder virtuellen Wertpapiermärkten, die jeweils auf einer elektronischen Plattform implementiert werden und über einen eigenen Quoten- beziehungsweise Preisfeststellungsmechanismus verfügen. Sie werden als Konkurrenzsystem zu anderen Prognoseinstrumenten genutzt. Ein Prognosemarkt kann als eine Form des Crowdsourcing aufgefasst werden, wobei das Nutzerverhalten in der Interaktion analysiert wird und nicht die direkte Meinungsäußerung.

Automatisiertes Reporting


Automatisiertes Reporting oder Business Intelligence bezeichnet Verfahren und Prozesse zur systematischen Analyse (Sammlung, Auswertung und Darstellung) von Daten in elektronischer Form. Die Darstellung erfolgt häufig in visueller Form, etwa als sogenannte Dashboards. Ein Dashboard („Armaturenbrett“) ist eine virtuelle und häufig in Echtzeit aktualisierte Anzeigetafel für aggregierte Daten, die der Information und Entscheidungsunterstützung dient. So kann automatisiertes Reporting beispielsweise für die standardisierte Auswertung von gerichteten oder automatisierten Daten genutzt werden.

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